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Im Auftrag der FAI unterwegs

30. November -0001 geschrieben von  

Dem Ausrichter einer FAI Segelflug Weltmeisterschaft werden Stewards und Jury Members zur Seite gestelllt. Der Chief Steward und der Jury President werden von der FAI benannt. Im Auftrag der FAI war ich als Jury Präsidentin bei der 9. Frauen Segelflug Weltmeisterschaft in Zbraslavice/ Tschechei vom 17. Mai – 4. Juni 2017 tätig. Die Aufgaben sind im „International Jury Members Handbook“ detailiert beschrieben, das eine Ergänzung zum FAI Sporting Code mit seinen zahlreichen aktenfüllenden Anhängen ist.

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Die Aufgabe des Jury President ist, das Anmeldeverfahren nach den Vorgaben der Air Sport Commission IGC zu überwachen, die Local Procedures dahingehend zu prüfen, ob sie mit dem genehmigten Regelwerk übereinstimmen, als Schiedsrichter zu fungieren, bei Bedarf das Regelwerk zu erklären oder zu interpretieren. Schriftliche Beschwerden, die dem Wettbewerbsleiter übergeben werden und eventuell zum Protest führen, werden von der Jury bearbeitet und entschieden. Es steht in der Macht des Jury Präsidenten, eine WM zu stoppen, falls die Wettbewerbsleitung nicht dem Regelwerk der FAI Folge leistet.

Die wichtigste Aufgabe des Jury Präsidenten ist es, die Weltmeisterschaft im Auftrag der FAI zu eröffnen, die Ergebnisse zu überprüfen und zu bestätigen, die Weltmeisterschaft für gültig zu erklären und sie offiziell zu beenden.

Spannend für die Jury wird es dann, wenn Situationen eintreten, die es in Bezug auf Regelverletzung vorher noch nie gegeben hat und in den Regeln für Welt- und Kontinental Segelflug Meisterschaften ( Annex A ) nicht benannt, auch keine Strafpunkte aufgelistet sind. Was tun, wenn die Wettbewerbsleitung Strafpunkte vergibt, die im Katalog nicht verzeichnet sind. Der Championship Director kann trotzdem Strafpunkte vergeben, die Jury prüft daraufhin, ob die Strafpunkte angemessen und fair sind. So einen Fall hatten wir in Zbraslavice.

Die Mannschaftsführer und Crews sind im allgemeinen sehr aufmerksam, wenn es darum geht, dass Entscheidungen der Wettbewerbsleitung dem Team bzw. der Pilotin eventuell schaden können. So hat ein Mannschaftsmitglied festgestellt, dass eine Konkurrentin in der Clubklasse einen IGC file ablieferte, von einem Logger, der in der technischen Kontrolle nicht registriert war. Eine Beschwerde wurde schriftlich eingereicht, eher gedacht als Anfrage, ob die Regeln in diesem Fall eingehalten wurden. Die Überprüfung ergab, sie wurden eingehalten.

Zum Schluss einer Meisterschaft ist ein Report des Jury Präsidenten an die IGC fällig mit einem generellen Kommentar über die Meisterschaft und Empfehlungen in Bezug auf das Regelwerk. Im obigen Fall wäre meine Empfehlung, die Nutzung eines dritten Loggers (falls ein designierter Logger wegen technischer Probleme ausfällt und ersetzt werden soll, wobei alle Bedingungen für eine Nutzung erfüllt sein müssen), im Briefing bekanntzugeben. Das dient der Transparenz und läßt keinen Verdacht auf Betrug zu.

Ein Flarmgerät im Cockpit zu installieren, ist bei internationalen Meisterschaften seit ein paar Jahren Pflicht, aus Sicherheitsgründen. Es ist in erster Linie ein Anti Collisions Gerät, wird aber auch zur Information der Position des Konkurrenten etc. genutzt und wird deshalb von einigen Piloten kurzfristig ausgeschaltet. In den Local Procedures von Zbraslavice gibt es den Hinweis, das Flarmgeräte, die nicht funktionieren, Strafpunkte kassieren könnten. Letztendlich wurde die vage Androhung der Bestrafung nicht umgesetzt und auch keine Kontrollen durchgeführt. Völliges Neuland wurde mit folgender Anordnung betreten: Zusätzlich zur Flarm ID wurden die Pilotinnen verpflichtet, sich im OGN System zu registrieren. Open Glider Network ist ein tracking System in Echtzeit und nutzt die Flarm Positionsinformationen. Dieses OGN tracking System wurde erstmals bei einer Weltmeisterschaft ausprobiert. Zunächst gab es heftigen Widerstand. Die Gründe waren Datenschutz und Ablehnung, in Echtzeit verfolgt zu werden. Die Wettbewerbsleitung bestand aber auf diesen Punkt in den Local Procedures, die von der IGC genehmigt wurden. Keine Mannschaft wollte es darauf ankommen lassen, die Registrierung zu verweigern. Eine Verweigerung oder Regelverletzung kann zur Dispualifizierung führen. Ich war froh, dass es zu keinem Protest kam. OGN tracking in real time steht - so weit ich es beurteilen kann - rechtlich und technisch noch auf wackeligen Füßen, insbesondere wenn Strafpunkte angedroht werden bei Non-functioning Flarms.

Die Beobachter am Boden, Crews, Team Captains, Besucher, waren fasziniert von dem Tracking System. Wir hingen gespannt am Bildschirm und konnten alles verfolgen: Abflug, taktische Spielchen, Zurück hinter die Startlinie, Abflugzeit, Schnittgeschwindigkeit, Steigwerte, Distanzen, alles war in Echtzeit ablesbar und zwar von dem gesamten Feld, von allen Pilotinnen. Ob die Pilotinnen von der Bodenmannschaft mit detaillierten Fakten über die Konkurrenz versorgt wurden (ziemlich wahrscheinlich) und dies taktisch genutzt wurde, blieb ein Geheimnis.

 

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