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Von oben eine andere Welt

12. August 2017 geschrieben von   Taunus Zeitung: map

Segelfliegen ist ein ruhiges, aber anspruchsvolles Hobby – LSC Bad Homburg ist eines der Leistungszentren in der Welt

Wer seine Freizeit im Taunus verbringen möchte, kann bei den heimischen Vereinen unter einer Vielzahl von Angeboten auswählen. Die Taunus Zeitung stellt ein Mal in der Woche eine besonders aktive Gruppe vor. Diesmal: Der LSC Bad Homburg: Die Überflieger aus dem Taunus

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Die Spitze des 119 Meter hohen hr-Sendemastes auf dem Großen Feldberg ist für die Segelflieger des Luftsportclub Bad Homburg so etwas wie eine Wendemarke. Diesseits des Taunushauptkamms liegen die sanften Hügel und grünen Täler des Usinger Landes. Jenseits des Gipfels öffnet sich der Ausblick aus dem Cockpit von Peter Frisch auf das Rhein-MainGebiet. Dem LSC-Flieger bietet sich stets das gleiche Spektakel. In sicherer Höhe nähert er sich in seinem schneeweißen und eleganten Segelflieger am Himmel den Feldberg-Türmen. Gen Süden weitet sich das Häusermeer ins Unendliche. Wegen der Flugverbotszone rund um den Frankfurter Flughafen dürfen Frisch und seine Fliegerfreunde Frankfurt aber nicht direkt überfliegen. Vielen Segelflug-Piloten des LSC Bad Homburg ist das völlig egal: Sie überqueren täglich bei den Starts und Landungen mit ihren Verkehrsmaschinen vom Rhein-Main-Airport beruflich das Ballungsgebiet.

Los geht’s ab 14 Jahren

Diesen Traum des Fliegens möchten Ausbildungsleiter Peter Frisch und der ehemalige Jugendleiter Hendrik Pfeiffer jungen Menschen näher bringen. Deshalb organisieren sie Jahr für Jahr spezielle Ausbildungs-Camps auf dem LSC-Vereinsgelände am Erlenbach. 15 junge Menschen mit ganz unterschiedlichem Ausbildungsstand haben in diesem Jahr daran teilgenommen. „Jugendliche dürfen ab 14 Jahre dem Verein beitreten und mit der Ausbildung beginnen. Dann ist auch schon ein Alleinflug möglich“, sagt Ausbildungsleiter Frisch. „Wir bereiten die Teilnehmer theoretisch und praktisch auf die staatliche Prüfung für den Luftfahrerschein vor. Gerne können Interessierte vorab schon einmal einen Tag schnuppern und auch mitfliegen. Dann wissen sie schnell, ob das etwas für sie ist.“ Für Hendrik Pfeiffer ist es die Faszination, sich eigenständig und ohne Motor in der Luft fortzubewegen, die ihn zum LSC geführt hat. „Man kommt lediglich mithilfe der Thermik an Orte, an denen man nie zuvor war und kann diese auch noch von oben bestaunen“, sagt der 23-Jährige. „Oben in der Luft ist es im Cockpit eines Segelflugzeuges relativ ruhig. Man zieht fast geräuschlos seine Bahnen und hört einzig den Wind. Das Fliegen im Motorflugzeug ist kein Vergleich dazu.“ Für den 68-jährigen Ausbildungsleiter Frisch war es seit 1966, als er den Flugschein machte, die positive Beanspruchung beim Segelfliegen, durch die er den Kopf vom Alltagsstress während des Berufslebens freibekam.

Präzision und Genauigkeit

Beide wollen die Begeisterung weitergeben. Doch Fliegen sei keinesfalls nur Träumerei und über den Wolken lange nicht alles nur grenzenlos. Im Gegenteil: Segelfliegen sei anspruchsvoll, weil es dabei vor allem auf Präzision und Genauigkeit ankomme. „Wer fliegen möchte, der sollte sich voll und ganz in die Materie einlassen. Nur Übung und Routine bringt Sicherheit und Spaß beim Fliegen“, gesteht Frisch. Schulungsflugzeug ist die doppelsitzige ASK 13 mit der Beschriftung D1390, Baujahr 1990. Dieser Segelflieger wurde seinerzeit selber von Vereinsmitgliedern gebaut. Nachdem die Theorieprüfung bestanden ist und die selbst gesteuerten Platzrunden erfolgreich absolviert wurden, findet ein erster Überlandflug mit dem Fluglehrer statt. Irgendwann während der begleiteten Ausbildungsflüge kommt der Zeitpunkt, an dem zwei Fluglehrer unabhängig voneinander sagen, dass der Flugschüler ausreichend Erfahrung gesammelt hat, um seinen ersten Alleinflug zu starten. Der Fluglehrer begleitet die ersten Starts, Platzrunden und Landungen vom Boden aus und steht dabei im Funkkontakt mit dem Flugschüler. Vor dem Start auf dem Segelflugplatz schauen sich alte Hasen wie Peter Frisch aber auch Youngster wie Hendrik Pfeiffer gemeinsam mit den Flugschülern die gewünschte Zielrichtung entsprechend der aktuellen Wettervorhersage an. Um die genaue Route zu berechnen, müssen das aktuelle Wetter, Wind sowie Windstärke und die zu erwartende Thermik mit einbezogen werden. Unterwegs müssen die Piloten stets flexibel auf die Witterung reagieren.

„Man beobachtet stets, wie sich das Wetter gegenüber dem Flugzeug verhält und wie sich die Fluglagen ändern“, erklärt Frisch. In der Regel fliegen die Piloten vom Segelflugplatz im Taunus aus das Flug-Dreieck in Richtung Sauerland – Thüringer Wald und zurück zum Feldberg. Man möchte ja abends wieder hier ankommen. Die Hälfte der rund 250 Mitglieder ist aktiv. 40 Mitglieder im Alter zwischen 14 und 25 Jahren gehören zur Jugendabteilung. Beim Streckensegelflug ist der LSC eines der Leistungszentren in der Welt. Bei zentralen Wettbewerben wie Welt-, Europa- oder Deutschen Meisterschaften belegten Piloten des LSC viele vordere Plätze.

In 60 Jahren zur festen Größe entwickelt

Die Segelflieger konnten in diesem Jahr den 60. Geburtstag ihres Fluggeländes am Erlenbach feiern. Es war in der Woche vor Ostern im Jahr 1957, als die ersten beiden Segelflugzeuge auf den Wiesen des Erlenbachtals gen Taunus-Himmel abhoben. Gegründet wurde der LSC aber bereits sechs Jahre vorher. Auf der Suche nach einem geeigneten Fluggelände hatte der LSC bereits 1951 die Möglichkeiten in Bad Homburg, Merzhausen, Egelsbach, Harheim, Meusfelden, Kirdorf, Schimmwiese, Ockstadt, Gelnhausen und Seulberg getestet. Doch zwischen Obernhain, Wehrheim und Anspach konnte er nach und nach den Wiesengrund am Erlenbach erwerben. Clubheim, Tower und Flugzeughalle wurden dort selbst gebaut. „Bis heute werden Reparaturen, Betrieb und Schulung ausschließlich in Eigenregie durchgeführt: Im LSC gibt es keine einzige bezahlte Kraft“, sagt Pressewart Horst-Walter Schwager. 2004 fusionierte man mit dem Oberurseler „Segelflugclub Arthur Martens e.V.“ (AMC) und 2011 mit dem Frank- furter „Flugtechnischen Verein 1909 e.V.“ Jährlich zählt der Verein rund 2500 Starts, wobei rund 100 000 Kilometer in der Luft zurückgelegt werden. „Das entspricht einer Strecke, die zweieinhalb mal um die Erde reicht. Jedes Jahr nehmen Piloten des LSC auch an zentralen Meisterschaften, bis hin zu den deutschen Segelflugmeisterschaften teil“, teilt der LSC mit. So gut wie jedes Jahr lockt das von den Segelfliegern veranstaltete „Taunus-Flugfest“ tausende Besucher ins Usinger Land. In diesem Jahr werden beim Großereignis am Wochenende 26./27. August neben einer Flugshow, Rundflüge, Fallschirmsprünge und zahlreiche andere Attraktionen für jede Altersstufe angeboten. Der Flugzeugpark umfasst je zwei Doppel- und Einsitzer für die Schulung in Holz/Stahlrohr Gemischtbauweise, einen Hochleistungskunststoffdoppelsitzer und drei Hochleistungssegelflugzeuge ebenfalls in Kunststoffbauweise. Jeweils zwei Motorsegler und Schleppflugzeuge vervollständigen diese Flotte. map

Im Anhang finden Sie den Originalartikel.

(Erschienen am 09. August 2017 in der Taunus Zeitung, Autor: Matthias Pieren)

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